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Skiweekend

Infanger Valentin 08.03.2013

Es wäre ja interessant zu wissen, wie das Skiweekend herausgekommen wäre, wenn es so durchgeführt worden wäre wie ursprünglich geplant. Die Idee war nämlich, in Schneeiglus zu übernachten, die wir selbst bauen. Und die Teilnehmenden hätten erst kurz vor Beginn von ihrem Abenteuerglück erfahren. Vielleicht wäre da etwas zu viel Abenteuer und Naturliebe verlangt gewesen.

Immerhin. Drei Abenteurfreudige liessen sich für eine abgeschwächte Variante finden. Es stand den Teilnehmern frei, ob sie in der ersten Nacht in einer Schneehöhle auf ca. 2700m übernachten wollen, oder lieber in der geheizten Bergstation vom Jakobshorn. Die Mutigen waren Willi, Gloria und meine Wenigkeit; Reto, Massimo und Chrigi bevorzugten indes die einfachere, risikolose Option.

Übrigens machte diese Doppelorganisation die Arbeit der Verwaltung des Jakobshorn Hostels nicht leichter. Denn neben zwei eh schon sehr späten Absagen sah es am Donnerstag kurzzeitig so aus, als würde das Höhlenabenteuer ins Wasser fallen. Die Verwaltung musste dabei das Jakobshorn Hostel fast im Stundentakt über den neusten Stand informieren. Das Result war, dass ich am Ende die 3. Ersatzbuchung erhielt und noch Lindt Verköstigung an die Verwaltung aushändigen durfte, um diese beinahe in Aufruhr geratenen zu besänftigen.

So starteten die zwei Dreierteams am Freitag auch unabhängig voneinander. Die Schneehöhlen-Crew traf sich im Jakobshorn mit Didi unserem Führer und Martina seiner Liebsten, um von dort auf den Bergkamm zur Höhle aufzusteigen. Gut gelaunt machten wir uns mit Sack und Pack und bei dichtem Schneefall auf den Weg. Doch relativ schnell wurde uns bewusst, dass wir für den Aufstieg nicht das beste Material mitgebracht hatten: Mit Skischuhen zwängten wir drei uns in Schneeschuhe, was etwa so gut gehalten hat wie eine nasse Seife zwischen zwei Fingern. Dann mussten die Skis von Willi und Gloria irgendwie an einem Kinderrucksack auf Willis Puckel montiert werden. Die Skis hingen anschliessend wie zwei Propeller in der Luft und drehten sich sogar beim Laufen. Aber damit nicht genug: die ersten Schritte den Weg verlassend, steil empor auf dem vorgeplanten Pfad, liessen Willi und mich erstmal einen Meter im Schnee versinken; Versuche sich mit den Stöcken irgendwie aufzurichten scheiterten kläglich. Diese verschwanden beim leichtesten Abstützen im weissen Meer. Nach etlichen Versuchen akzeptierten wir die Unmöglichkeit und wählten die zur Höhenlinie hin vertikale statt schräge Richtung. Und tatsächlich; wir bewegten uns gipfelwärts und verbrannten bereits die ersten paar Meter mindestens ein Steak. So arbeiteten wir uns vorwärts und abwechselnd verlor jemand anderes die Nerven.

Nach gut einer Stunde erblickten wir den palast-grossen Eingang der Höhle. Didi empfing uns mit herrlichem Nussschnaps, was uns endlich an bessere Zeiten denken liess. Er begann sogleich mit der Bereitstellung des Schnee-Hotels, das - zu unserem kurzzeitigen Entsetzen - nur durch eine bullaugen-grosse Lücke schräg nach oben zu erreichen war. Gloria hatte sich schon vorgestellt, wie man in der ganzen Höhle in gleichem Stil herumkriechen müsse - nicht gerade einladend. Als wir dann die "Zimmer" beziehen durften, wurden wir sehr positiv von der Grösse und Raffinesse der Höhle überrascht. Ebenso von der zierlichen Ausleuchtung durch in die Wände eingebrachte Kerzen. Theoretisch besteht die Höhle zwar nur aus dem Esssal und den Schlafgemächern, und natürlich aus dem verbindendem, angenehm hohen Gang, doch hatte jeder Bereich seinen ausgesprochenen Reiz, so dass wir uns schnell wohl fühlten. Der Esssaal zum Beispiel glich einer runden Eckbank, in dessen Mitte ein kleiner Tisch wie ein Pilz aus dem Boden luegte. Als wir dann unser Gepäck verstaut hatten, schnabulierten wir ein leichtes Bündner Plättchen und genossen den hochgeschleppten Weisswein aller edelster Güte. Didi sorgte nebenbei mit seinem Gaskocher für Wasser und warmen Tee. In Gemeinschatsarbeit wurde schliesslich das Fondue zubereitet. Es muss wohl nicht explizit erwähnt werden, dass ein Fondue bei 1° C noch besser schmeckt als sonst - ja Knoblauch war genug enthalten. Aber auch andere Gesetze waren anders als sonst: Als das Fondue kurzzeitig drohte sich in Fett und Kohle zu verwandeln, riegelten wir den Gashahn runter. Und nur in kurzer Zeit schon befand sich ein Stück Hartkäse in der Pfanne und wir durften von vorne mit dem Schmelzen beginnen.

Nach etlichen Weingläsern und dergleichen, nach einigen Anekdoten, und nach einem Ausflug in die Natur der nicht enden wollte, sollte es Zeit sein zu schlafen. Oder der Versuch zu schlafen sollte gewagt werden. Bei Willi scheiterte es erstmal eher an den Skischuhen, die auch nach hundert Anstrengungen durch verschiedenste Hände nicht weichen wollten. Der Schlafsack, oder besser die Schlafsäcke, waren zum Glück genug in der Zahl, so dass die Kälte draussen blieb. Aber der Käseklumpen und die Schnäpse liessen mich zumindest für die nächsten drei Stunden wach sein. Irgendwann schliefen wohl doch alle.

Schnitt

Sonnenschein am nächsten Morgen. Tiefschneeabfahrt. Mit 20kg auf dem Rücken und wackeligen Beinen.

Schnitt

Willi und Gloria verbrachten den ganzen nächsten Tag im warmen Bett des Jakobshorn-Hostel. Ich traf die andere TTC Thalwil Hälfte und unternahm einige Abfahrten, bis ich irgendwann keine Mitfahrer mehr hatte. Am Abend drehte sich das Blatt: Willi war wieder hellwach und jasste mit den anderen in grossem Eifer und um viel Geld. In der Tat wurden einige bis 34.- SFr. ärmer in nur zwei Spielen. Das war derart schockierend, dass Goria und ich schon frühzeitig umfielen - wahrscheinlich eher aus Todmüdigkeit wegen der vergangenen Nacht.

07:30 Sonntagmorgen, und ein Blick aus dem Fenster weckte alle Skifahr-Freuden, denn entgegen dem Wetterbericht war kein einziges Wölkchen und auch kein Zigarettendunst zu sehen. Militärisch pünktlich um 9 Uhr verliessen noch die letzten die Bergstation. Dort trafen wir auch Arek und Lidia und konnten ein prächtiges Gruppenfoto schiessen.

Was folgte dann? Unberührte und in bestem Zustand befindliche Pisten .. Sonnenschein .. ein lustiges Slalom-Spiel mitten auf der Piste ..

So endet das vorläufig letzte von mir organisierte Skiweekend. Danke für die Teilnahme! Und vielen Dank auch an Didi und Martina für die Beherbung im Schnee-Hotel!