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Schweizer Cup gegen Riva San Vitale

Infanger Valentin 20.12.2016

Es war das grosse Ereignis auf das sich viele gefreut und vorbereitet hatten, und auch bei Freunden auf Interesse gestossen ist: eine Schweizer-Cup-Austragung in der dritten Hauptrunde, mit dabei der 2. Liga-Verein TTC Thalwil, der letzte überlebende Verein dieser Liga-Stärke und nun wie ein Exot unter all den anderen 1. Liga- und Nationalliga-Vereinen dastehend. Eine erstaunliche Ausgangslage! Wie im Cup üblich konnte sich daher der spielplan-technisch unterlegene TTCT zu Hause auf die stärkere Mannschaft freuen. Der Gegner kam aus dem Tessin und hiess Riva San Vitale: ein 1. Liga-Verein aus einer 2000-Bewohner-Gemeinde, der als Sieger aller tessiner Vereine hervorgegangen war. Der Verein zeigte sich bei Ankunft als junges und motiviertes Team, und brachte auch gleich ein zahlreiches und ebenso junges Fan-Publikum mit.

Als die Tessiner eintrafen, war die Halle Feld bereits in eine professionell wirkende Wettkampfstätte mit Abdunklungskonzept, Sitzbänken und Spielstandstafeln verwandelt worden wie bei einem Nationalligaspiel und die thalwiler Spieler festigten gerade ihr Ballgefühl beim Einspielen. Ein kurzer Blick auf die Aufstellung bestätigte die bereits im Vorfeld untersuchte Chance des TTCT auch diese Runde gewinnen zu können: 15, 11, 10, 9, 6, 5 bei Thalwil gegenüber 12, 11, 10, 6, 5, 4 bei Riva. Das müsste ja eigentlich reichen, um etwas Einmaliges aus der Sicht des TTCT zu vollbringen, zumal auch der gut gelaunte Star Adrian mitspielen würde! Diese Überlegung hatte sich wohl der eine oder andere schon gemacht, und vielleicht deswegen war auch schon ein gemütlicher Weisswurst-Plausch für nach der Partie organisiert worden. Entsprechend gross waren die Erwartungen also, und ebenso gross die Anspannung.

Punkt 13:30 hiess der Matchleiter Vale die Gäste aus dem Tessin und das Publikum willkommen und erklärte die Spielweise mit drei Tischen, während Massimo dolmetschte und in lebendigem Italienisch die Sprachbarriere zu durchbrechen wusste. Bevor jedoch die ersten Bälle hin- und herflogen, nahm Adrian noch kurz alle zusammen und motivierte das Team, entspannt an die ersten Ballwechsel heranzugehen, den Gegner erst kennenzulernen und nicht gleich mit voller Kraft loszuspielen. Das heimische Team bestand aus Adrian, Adnan, Armin, Dirk, Peter und Marc.

Alsbald wurde es Leise in der Halle, man hörte nur noch vereinzelt Kindergeflüster. Die ersten drei Athleten starteten ihr Spiel mit klaren Gewinnabsichten. Und die Zahlen auf den Spielstandstafeln folgten dem Verlauf der Gefechte. Im oberen Paarkreuz kämpften Adrian und Adnan gegen zwei Jungtalente, die, wie man später erfuhr, ein mehrmonatiges Trainingsprogramm beim italienischen Nationaltrainer absolvieren konnten, und nun einwandfrei Topspins aus allen Lagen auf die gegnerische Tischseite schossen, und den Druck mühelos aus der Halbdistanz aufrecht hielten. Der erste Satz beider Begegnungen ging relativ schnell zugunsten der Tessiner zu Ende. Armin wiederum spielte gegen einen Nachwuchsspieler, der auch über ein relativ sicheres Topspinspiel verfügte, allerdings den Bällen relativ wenig Rotation bzw. Energie verlieh, was mit dem Noppenspiel schlecht harmonierte. Der Satz endete ebenfalls zuungunsten von Thalwil. Während Adnan und Armin auch weiterhin kein richtiges Rezept zu finden schienen und wohl den Erfolgsdruck zu sehr spürten, begann der alte Fuchs Adrian die Bälle mehr zu variieren, erhöhte die Rotation und erarbeitete sich den Sieg in einem spektakulären Match. Spielstand 1:2.

Gefolgt sind die Spiele von Dirk, der einem kontrolliert Topspin ziehendem und routiniertem Spieler begegnete, das von Peter, der einem cool wirkenden Herr gegenübertrat, welcher ein auf den ersten Blick harmloses aber umso ungewohnteres Schupf- und Blockspiel besass, und schliesslich dasjenige von Marc, der sich zu seiner Freude mit einem Langenoppen-Spiel eines talentierten Nachwuchsspielers auseinandersetzen durfte. Waren die Gegner tatsächlich spielerisch derart überlegen, dass diese Partien alle fast widerstandslos verloren gingen, oder gab es noch einen anderen Grund?

Der Schock von der eindeutig 1:5 verlorenen ersten Serie konnte man allen ansehen. Was war da genau passiert? Doch was wäre der TTCT ohne seinen Team- und Kampfgeist? Man beschloss nun aufzuwachen, und das Ruder selbst in die Hand zu nehmen, indem die nun folgenden drei Doppel für Thalwil erkämpft werden sollten. Gesagt getan kehrten die Thalwiler konzentriert und überlegt an die Platte zurück. Die Doppelpaare Dirk/Adnan und Marc/Peter liefen zur Höchstform auf und liessen dem gegnerischen Paar keine Chance. Etwas anders sah es beim Doppel von Armin/Adrian aus: zu sicher zogen die tessiner Nachwuchsspieler ihre Topspins. Neuer Spielstand: 3:6.

Noch lag alles drin, obschon nur noch genau ein einziges Spiel verloren gehen durfte. Die Spannung in den folgenden Spielen sollte in's Unermessliche steigen. Denn obwohl der erste Satz bei allen drei Partien von Adrian, Adnan und Armin verloren ging, drückten die Thalwiler dagegen und alles war offen. So schenkten sich Adrian und sein Gegner nichts und erzielten teils haarscharfe Satzentscheide, bis sich die Erfahrung von Adrian durchsetzte. Adnan fand im zweiten Satz ein Rezept gegen den Endlos-Torpedospieler, unter anderem wagte er vermehrt gezielt in den Angriff zu gehen. Armin und sein Gegner leisteten sich einen verbitterten Kampf bis in den fünften Satz.

Leider sollte es aber nicht der grosse Tag des TTCT werden und so gingen diese beiden Begegnungen fast zeitgleich zu Ende mit dem besseren Ende für Riva, das sich damit den Sieg bei einem Zwischenstand von 4:8 sicherstellte. Was folgte war nur noch für das Papier wichtig, und infolgedessen war auch kein Druck mehr vorhanden. Dirk und Marc konnten ihre Spiele relativ souverän für sich entscheiden, während Peter zwar gut mit Topspins und Flips eröffnete und mit den Noppen umzugehen wusste, doch der Junge begann ab der Matchhälfte regelrecht zu zaubern und zog selbst aus seiner Noppen-Rückhand Topspins.

Endstand: 6:9. Eigentlich kein allzu eindeutiges Resultat. Nur der Blick auf die Satzverhältnisse verriet, dass praktisch alle verlorenen Spiele klare Niederlagen waren. Offenbar merkte man den Thalwilern an, wie angespannt und verkrampft ihre Nerven wegen den hohen Erwartungen sein mussten. War man doch schon so weit gekommen im Cup und hätte wiederum Gewinnchancen gehabt, und dies noch vor heimischem Publikum. Die Cup-Austragung unter diesen Bedingungen war ein Novum für den TTCT.

Verständlicherweise blickten einige nach dem Ausscheiden etwas getrübt aus ihren Augen. Doch spätestens die leckeren Weisswürste von Armin sorgten wieder für gute Stimmung im Grundsteinkeller, wo sich der TTCT und auch die Tessiner zum Fest versammelten.

Ein herzliches Dankeschön an alle die beim Anlass mitgeholfen haben (Armin -> Weisswurst-Plausch, Adrian -> Ungarischer Aperitif, Marc/Vale -> Hallenaufbau, Vale -> Matchleitung, Reto/Christian -> Schiedsrichten).

 

Bereits in einem Jahr gibt es eine neue Gelegenheit für die motivierten Thalwiler.